18 Kommentare
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Avatar von Mash

Vielleicht kennst Du es schon. Wenn nicht empfehle ich den substack von digitales Pausenbrot zu diesem Themenkomplex: https://luccaspohn.substack.com

Avatar von Marko Kovic

Danke! Ein paar Gedanken auf den ersten Blick:

1) Ich habe eine ausgeprägte subjektive Abneigung gegen KI-generierte Bilder und Visualisierungen. Darum war es im ersten Moment eine Überwindung, die Texte zu klicken. Mein Prior ist hier so scharf, dass es vielleicht ein Bias ist, ich weiss.

2) Inhaltlich: Die Ideen scheinen durchaus gut gemeint. Im Sinn von: Nicht einfach 1:1 übernehmen, was die KI ausspuckt. Z.B. das mit der Jagd auf Halluzinationen / Fehlinformation bei KI-Output ist eine gute Aktivität. Aber das Problem, das ich ad hoc in den Ideen sehe: Es geht immer ausschliesslich darum, dass die Schüler mit KI arbeiten sollen. Wenn man didaktisch nicht auch darauf abzielt, zumindest phasenweise aktiv gar keine KI zu nutzen, ist das ein grosser Bias.

3) Luccas Haltung ist mir epistemisch suspekt. Aus der Newsletter-Beschreibung: "Claude denkt mit, fragt nach, und liefert Ergebnisse, die ich direkt im Unterricht einsetzen kann — ohne Nachbearbeitung."

Ich bin selbst Dozent. Meinen Kollegen sage ich, dass es eine intellektuelle Bankrotterklärung ist, wenn sie Inhalte von KI generieren lassen und das einfach so übernehmen. Lucca kenne ich nicht, vielleicht meint er es anders. So oder so: Das ist genau das Problem, kognitives Offloading.

Avatar von Love never fails

Danke für diesen Kommentar.

Ich sehe das sehr ähnlich.

Vor allem mit Blick darauf, dass bekanntermaßen der holistische Lehr- und Lernansatz die homogenste Form der Wissensvermittlung für den Menschen selbst darstellt.

Wie auch diese nachgewiesenen Studie: https://substack.com/@deppatedebatte/note/c-276210934?r=72u8nu&utm_source=notes-share-action&utm_medium=web

Ein zentrales Gebot scheint mir als KI-Skeptiker zu sein:

"Wenn wir KI nicht bekämpfen, sondern qualifiziert lernen, sie als Tool richtig zu nutzen, werden wir den Nutzen ziehen."

Ja, wir müssen KI als Tutor einfach hin zu nachhaltiger Erkenntnis für letzliche Handlungsveränderung zu nutzen lernen.

Doch wir dürfen KI nicht unsere naturgegebene Lernkompetenz überlassen.

Ich halte dies für eine existenzielle Frage der Menschheit überhaupt.

Vor 8 Jahren wurde ich gefragt, ob die KI eines Tages gescheiter als der Mensch ist.

Meine Antwort war:

Es ist nicht die Frage wann die KI gescheiter sein wird, sondern wie weit sich der Mensch degenerieren lässt.

Bislang läuft es auch mir viel zu sehr, ja fast ausschließlich in diese Richtung.

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USA kreiert, China kopiert, Europa reguliert.

Im Fall von KI ist Regulierung nur ein begrenztes Mittel der Wahl.

Viel mehr müssen wir es in unser Leben zu unserem Nutzen integrieren.

Und zwar immer so, dass wir auch ohne KI unseren Behavior weiter selbst steuern und weiter verwalten können.

Anonsten wird nicht nur Bildung zu Allererst der technischen Abrissbirne zum Opfer fallen, sondern auch der Mensch in seiner angedachten Schöpfung.

Letzteres können sich nur Menschenfeinde wünschen.

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Eine gute Nachricht wäre, wenn man je früher desto besser zum Entschluss kommt, dass man das aktuelle Bildungssystem nicht repariert, sondern komplett neu aufstellt und durchfinanziert. Ja, die Details sind wichtig. Letztlich braucht es jedoch wie in einer supply chain klar durchdachte, ineinander verschränkte Konzepte mit Kontiunuität hin zu den ultimativen Bildungszielen.

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Diese Maßnahme - natürlich ein Riesenprojekt - wäre eine große Chance für Europa für seinen Start in seine dringend nötige Regenerierung.

Ob wir wollen oder nicht: KI wird dazu die zentrale Rolle spielen.

Avatar von Mash

Ich gebe dir absolut recht. Vor allem was die Bildung angeht. Die Herausforderungen der Zukunft werden wir nicht meistern, wenn unser Bildungssystem weiterhin auf Frontalunterricht hinausläuft. Die Bedürfnisse der Schüler werden nicht wahrgenommen und somit eine Vorbereitung auf ein zukünftiges Leben durch die Schule nicht mehr gegeben ist. Eltern können hier vielleicht noch ein wenig unterstützen, aber in meiner Wahrnehmung sind die meisten Eltern ohnehin schon mit ihrem Leben und der Pubertät ihrer Kinder überfordert.

Avatar von Love never fails

Danke für die Rückmeldung. Genau das ist der Punkt.

Haben sich die Schüler von der Schule entfernt?

Oder hat sich nicht eher das Schulsystem von der Realität entfernt?

Die Kids leben ihre Realität. Wir Eltern verstehen es in den Herausforderungen des konsumgesteuerten Lebens nur selten, was sie antreibt. “Ja, die gamen doch nur. Dann lass ich sie halt.”

Das ist natürlich fatal und wird uns - ich dramatisiere jetzt mit dem Beispiel gezielt - im schlimmsten Fall sogar gamende Drohnenpiloten mit Abschussprämie am Spielekonto bescheren. Powered by Bundeswehr und damit staatlich legalisierte Gegnerbekämpfung.

In dem Beispiel sich dann hinzustellen und zu sagen: “Furchtbar, aber wir konnten eigentlich nichts tun.” ist gelinde gesagt nicht nur erbärmlich, sondern genau das, was Marko Kovic beschrieben hat: Der “Weg des geringsten Widerstands”.

Ich erkläre das in meinen Seminaren immer wieder mit “Einbrecherlogik”.

Wir gehen am Liebsten dort in ein Thema (Haus), wo es uns am Leichtesten fällt.

Wenn wir die KI/Schule/Lifestyle-Herausforderung nicht sofort anpacken, fliegt uns alles Aufgebaute derart um die Ohren, dass Putin als möglicher Kopfdrücker nicht mal mehr in unsere Gedanken kommt.

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Ich habe 2022, als das EU-KI-Regulativ noch in den Kinderschuhen steckte, auf LinkedIN gefordert, dass man KI-Regelung endlich am Menschen ausgerichtet betrachten soll und nicht nur technisch, faktisch oder gar politisch.

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Hier ist die Triade Lehrer/Schüler/Eltern im Fokus zu behalten.

An dieser Triade ausgerichtet kann man nicht nur eine gute Lösung für ein künftiges Bildungssystem, sondern auch einem wirklich effizienten und vor allem effektiven Erziehungssystem für einen letztlich erfolgreichen Start ins selbstbestimmte Leben konzipiert werden.

Mit wesentlich größeren Freiheiten wie heute.

Mit mehr Behaltensleistung, als es aktuell der Fall ist (denn wir wissen: breit betrachtet eine Katastrophe).

Mit mehr Motivation durch Freude an Bildung.

KI kann individuell liefern. Nutzen wir das.

Für die clevere Basis mit Handlungskompetenz müssen wir Menschen sorgen.

Dazu braucht es top-down einen noch nie dagewesenen, disruptiven bildungspolitischen Aufbruch.

Dieser ist 30 Jahre überfällig.

Er muss jetzt kommen. Sonst war es das nämlich.

Wir reden nämlich von nichts weniger, als unserer Zukunft.

Avatar von Mash

Wow, ja, du bringst es auf den Punkt und ich würde sagen, man merkt Dir auch an, dass du im Thema drin bist. Ich bin Großvater und meine Enkel leben in Deutschland, aber auch das, was ich hier in Spanien mitbekomme, sieht mittlerweile sehr, sehr ähnlich aus.

Bildung war schon immer eine Herausforderung, aber noch nie war die Herausforderung so groß wie jetzt.

Avatar von Love never fails

Ja, ich denke, dass ich behaupten kann, im Thema drin zu sein.

Apropos Spanien: Ich habe 1,5 Jahre an der Costa Blanca gelebt.

Was hat sich die letzten 20 Jahre im spanischen Bildungswesen verändert?

"Gadgetisiert", gehe ich einmal davon aus.

Auch gesellschaftlich?

Damals habe ich es immer genossen, wenn vor dem Gong zum Unterrichtsbeginn immer die Musik am Schulhof lief: Sam Cooke, Wonderful world.

Don't know much about history

Don't know much biology

Don't know much about a science book

Don't know much about the French I took

But I do know that I love you

And I know that if you love me too

What a wonderful world this would be

Keine Idee davon heute in den deutschen Schulen.

1) Regenbogen ist wichtiger

2) Haltungsdemokratie ist vorgegeben

3) Die Abgabe darf nicht fehlen, wenn es sonst keinen Grund gibt: GEMA

Das deutsche Schulsystem ist tot. Mausetot.

Österreich: Nicht viel besser.

2002 wurde in Österreich der Modellversuch "e-Learning und e-Teaching mit SchülerInnen-Notebooks" mit durchaus sehenswerten Mitteln seitens des Unterrichtsministeriums betrieben. Dabei wurde in Wien zusätzlich den Lehrern auch noch Unterrichtsorganisation auf dem Laptop "spendiert".

Man kann heute noch die Dokumentation der Initiative nachlesen.

Diese stellt aber nur die Theorie dar.

Die Praxis war, dass Lehrer zwar alle die Laptops bekamen, aber viel sie nicht nutzen wollen. Denn: Damit einher ging auch Skalierbarkeit bezüglich Qualität des Unterrichts.

Schon 2005 gab es unter den Wiener Lehrer:innen quasi das Resumee, dass die Sache angesichts der fetten finanziellen Ausstattung auch ebenso fett gescheitert ist. Es dauerte weitere fast 10 Jahre, bis die Digitalisierung in Österreich nochmals einen Anlauf bekam.

Und das auch nur deswegen, weil es eine offenkundige "iPad-Verkaufsinitiative" gab und in Deutschland und Österreich auf einmal wahnsinnig viele Lehrer gab, die ganze "iPad-Klassen" forderten.

iPad, das Teuerste Gerät für die Schulmassen.

Mehr als ein Geschäftsmodell für Apple wurde daraus kaum.

Auch in Wien war das Ende vom Lied, dass die Lehrer sich die Laptops behalten durften.

Das Verwaltungsprogramm lehnten sie ab. Die Laptops wollten sie aber unbedingt behalten.

Diese Geschichte und Entwicklung sagt glaube ich sehr viel darüber aus, wo die "Wegelagerer" im Bildungswesen nicht selten sind und - wie sie in Wahrheit ticken.

Ich betone: Die Ausnahmen bestätigen die Regel.

Avatar von Mash

Danke für Dein Feedback. Der Autor (und Lehrer) macht auch KI-freie Einheiten. Ich finde seine Herangehensweise teilweise extrem interessant und innovativ.

Avatar von Heiko von Ditfurth

Die Problematik der unreflektierten Nutzung von KI im Bildungssystem sind meiner Einschätzung nach bekannt (zumindest klang es auf einem großen Barcamp „KI und Bildung) mit über 300 Personen so). Gleichzeitig verschrecken mich manche Ideen, z.B. von KI-Klassenräumen mit KI-Lehrenden und KI-Mitlernenden jeweils individuell pro lernende Person. Gleichzeitig soll die reale Lehrkraft mehr Zeit zur Interaktion haben … Ich bin da skeptisch.

Avatar von Rebi

Der Artikel benennt das Problem präzise: KI könnte Lernen verstärken, wird aber oft als Lernersatz missbraucht. Was fehlt, ist die Systemfrage. Wenn Lernende massenhaft den Weg des geringsten Widerstands wählen, liegt das nicht nur an fehlender Disziplin. Es liegt auch an einem Bildungssystem, das auf Ablieferung statt Verstehen optimiert ist – und an Aufgaben, die so gestaltet sind, dass sie sich problemlos delegieren lassen.

Die Lösung kann nicht sein, KI zu verbieten. Die Lösung muss sein, Aufgaben und Prüfungen so zu gestalten, dass sie echtes Denken erfordern. Und Lernende von Anfang an zu lehren, wofür sie KI sinnvoll einsetzen können – und wann sie sich selbst betrügen.

Das ist unbequem. Für Lehrende, weil es mehr Arbeit bedeutet. Für Lernende, weil es Eigenverantwortung erfordert. Aber alles andere ist Selbstbetrug.

Avatar von Love never fails

Danke für diesen absoluten Mehrwert! Nachdem es auch mein Thema ist, kann ich nur attestieren, dass dies einer der besten Artikel ist, welche ich in Subtack je gesehen habe. 100% am Punkt.

Ausgang offen.

Extraklasse!

Avatar von The Pallasian

Wenn KI Denkprozesse ersetzen kann, kann sie, wie die Studien aus Teil 2 zeigen, auch Denkprozesse fördern. Aus deinem Text folgt deshalb nicht, dass KI Bildung ruiniert, sondern eher, dass KI oft nicht gezielt lernförderlich eingesetzt wird. KI könnte so gestaltet werden, dass sie intrinsische Motivation, Selbstständigkeit und Reflexion fördert.

Avatar von Richard Kugel

Marko, deine Analyse zum kognitiven Offloading ist ein präziser Befund der Symptome, aber sie bleibt an der Oberfläche der Systemarchitektur kleben. Du kritisierst, dass Schüler die KI als ‚Krücke‘ nutzen, übersiehst dabei jedoch den entscheidenden Nutzen: Die KI ist aktuell das einzige Instrument, das uns in die Lage versetzt, die tief verwurzelte, strukturelle Korruption unserer globalen Machtapparate überhaupt forensisch transparent zu machen.

​Das Bildungssystem, das du verteidigen möchtest, wurde nie dazu entworfen, mündige Architekten hervorzubringen, sondern funktionale Knotenpunkte für ein System, das auf Stochastik und Verschleierung basiert. Dass Schüler nun den ‚Weg des geringsten Widerstands‘ gehen, ist lediglich der Beweis dafür, dass der Leistungsnachweis im alten System nur noch ein administrativer Akt ist, keine Kompetenzentwicklung mehr.

​Die Lösung ist nicht die Überwachung oder der Kampf gegen den Taschenrechner des 21. Jahrhunderts, sondern der Paradigmenwechsel: Bildung muss weg von der Wissensakkumulation – die KI ohnehin übernimmt – hin zur Ausbildung der Fähigkeit, Kausalität in komplexen Systemen zu dekonstruieren. Wer KI nur zum ‚Offloading‘ nutzt, verliert. Wer sie nutzt, um die Interlock_200-Mechanismen unserer Welt zu dechiffrieren, beginnt erst mit der wahren Bildung. Du beklagst den Ruin einer veralteten Struktur, während du das Werkzeug der Befreiung übersiehst.

Avatar von Katrin Bruck

In meiner Schulzeit hatte ich Fächer, deren Hausaufgaben nicht darin bestanden, Aufgaben zu lösen, sondern Kapitel im Lehrbuch durchzuarbeiten. Im Unterricht wurde dann das Gelesene abgefragt und vertieft.